Gofio – Geröstetes Getreide verarbeitet zu einem gesunden Mehl

Gofio ist eine kanarische Mehlart. Schon die Ureinwohner der Kanaren, die Guanchen, rösteten ihr Getreide, ehe sie es mahlten und zu Mehl verarbeiten. Gofio ist also typisch für die Kanarischen Inseln. Als Urlauber werden Sie Gerichten mit Gofio aber eher selten begegnen, zumindest nicht, wenn man in den Touristengegenden bleibt oder womöglich auch Allinklusive gebucht hat. Aber sobald Sie sich trauen, auch mal einen Fischerort zu besuchen oder wenigstens ein Restaurant oder eine Cafeteria für Einheimische, werden Sie Gofio auch auf der Speisekarte entdecken. Zum Beispiel als Einlage in einer Suppe oder Brühe oder als Hauptbestandteil eines leckeren Nachtischs. Oder als Gofio Escaldado, abgebrühtes Gofio.

Gofio - zwei Geschmacksrichtungen
Gofio gibt es auf den Kanarischen Inseln aus verschiedenen Getreidesorten und in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Hier Intensiv und Mild.

Natürlich gibt es auf den Kanaren Gofio nicht nur im Restaurant. Das spezielle Mehl kann natürlich auch von Ihnen im Supermarkt gekauft werden, bei Mercadona ebenso wie im Hiperdino, im Carrefour, im Spar und sogar im örtlichen Lidl. Gofio gibt es auf den gesamten Kanarischen Inseln, auf Gran Canaria, wie auch auf Teneriffa, Fuerteventura, Lanzarote, El Hierro …

Was ist Gofio Mehl?

Gofio ist nicht einfach ein Mehl von den Kanaren. Dieses kanarische Mehl wird gänzlich anders hergestellt als unser Mehl. Vermahlen wird nicht einfach Getreide, sondern eben geröstetes Getreide. Es gibt Gofio Sorten, denen auch noch Meersalz zugefügt wird. Wer also Gofio für einen süßen Nachtisch und nicht für ein herzhaftes Rezept sucht, sollte entsprechend auf die Zutatenliste (Sal steht für Salz) achten.

Es gibt auch Gofio-Sorten, denen auch gemahlene, ebenfalls geröstete, Hülsenfrüchte beigemengt werden. Das können Erbsen (Kichererbsen), aber auch Bohnen sein.

Aber eigentlich wird Gofio traditionell aus Gerste hergestellt. Dafür wird das Vollkorn mit den Schalen verarbeitet. Allerdings ist Gofio aus Gerste inzwischen nicht mehr marktbestimmend. Besonders häufig wird Gofio aus Mais verkauft. Nur auf Fuerteventura hat Gersten-Gofio noch eine gewisse Rolle. Maisgofio (Gofio de maiz) war den Ur-Canarios, den Guanchen, übrigens unbekannt, den Mais kam erst nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus und die Spanier nach Europa.

Herstellung von Gofio Mehl

Gofio unterscheidet sich allerdings weniger in der Getreideart von unserem Mehl, sondern in seiner Herstellung. Bei der Herstellung kann auf Gerste, Mais, Roggen aber sogar auf Hülsenfrüchte wie Kichererbsen zurückgegriffen werden. Das besondere ist aber, dass echtes Gofio eben vor dem Mahlen über offenes Feuer scharf angeröstet wird. Dafür werden meist Keramikgefäße genutzt. Was natürlich auch wieder für ein einzigartiges Aroma sorgt. Echtes Gofio-Mehl sollte also durchaus einen leicht rauchig-aromatisches Geschmack haben.

Das Anrösten bei der Gofio-Herstellung hat gleich mehrere Effekte:

  • Es verleiht dem Getreide einen rauchig-aromatischen Geschmack.
  • Das Getreide und damit das Mehl sind nicht mehr roh, es kann mit kalter Milch oder kaltem Wasser zu einem nahrhaften Brei angerührt werden.
  • Es ist haltbarer, taugt also als Notvorrat.
  • Durch die hohen Temperaturen werden Mikroorganismen abgetötet.

Bei der Herstellung werden verschiedene Arbeitsschritte durchgeführt, die von der Reinigung des Getreides (nicht Schälen), über die Röstung (bei der Temperaturen erreicht werden, die Mikroorganismen im Getreide eliminieren) und anschließende Kühlung bis hin zum Mahlen. Früher wurden hierfür Basaltsteine kanarischen Ursprungs verwendet, heute sind es häufig Steine aus Deutschland die im Mahlwerk zu finden sind.

Gofio de Millo
Gofio de Millo – Gofio aus Maismehl in zwei verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Längst nicht der einzige Unterschied zu früher. Heute gibt es Gofio speziell für Kinder und bei einigen Angeboten kommen Sie sich vor wie in einem Kaffeehandel, gibt es Gofio doch schon mit leichter aber auch mit starker Röstung zu kaufen. Inzwischen findet sich auch Gofio de Avena (geröstetes Hfermehl) in den Läden, ebenso wie Gofio de Espelta (Dinkel).

Herstellung in Gofio-Mühlen

Auf den Kanarischen Inseln gibt es heute 40 Gofiomühlen. Hergestellt wird das Mehl aus geröstetem Getreide eben heute noch meist durch Wind- und Wassermühlen. Früher wurde Gofio zwischen Basaltsteinen gemahlen.

Eine sehr bekannte Mühle ist La Molineta, die sich in San Honorato (San Cristóbal de la Laguna, Teneriffa) befindet. Konstruiert wurde sie 1866, hier wird heute noch Gofio hergestellt und auch exportiert. La Molineta ist heute noch fortschrittliche Mühle, das zeigt auch ihre Geschichte, so war sie die erste Mühle mit mehr als vier Flügeln (was natürlich dafür sorgte, dass die Mahlgeschwindigkeit erhöht wurde). La Molineta war aber auch das erste Unternehmen in San Cristobal de La Laguna auf Teneriffa, das einen Stromanschluss erhielt.

Verwendung von Gofio

Früher galt Gofio als Nahrungsmittel der armen Leute. Wer zur Feldarbeit musste, nahm etwas Gofiomehl mit und rührte es dann vor Ort zu einem nahrhaften Brei an. Das war möglich, da Gofio eben aus bereits gegarten (eben gerösteten) Getreide hergestellt wird. Ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse haben Gofio zu einer neuen Blüte verholfen. Denn alle für Gofio verwendete Getreidesorten enthalten einen hohen Anteil an Mineralstoffen und an Vitaminen wie Vitamine E, B1 und B2. Auch in Deutschland findet Gofio als Trendfood, teilweise sogar als Superfood bezeichnet, inzwischen Anklang und hat dort seine Fans. Insbesondere seine Vielseitigkeit begeistert hier. Aber eben auch wegen seiner Proteine und Ballaststoffe. Aber auch der Herstellungsprozess sorgt dafür, dass Gofio so gesund ist, denn es bleiben eben ein Großteil der Getreidenährstoffe erhalten.

Angeblich, so hat zumindest eine Untersuchung der Universität Las Palmas herausgefunden, soll der regelmäßige Verzehr von Gofio sogar das Risiko für Herzerkrankungen senken können.  Die Studie dauerte immerhin sieben Jahre, besonders beeindruckend waren die Ergebnisse bei Menschen, die seit mindestens 40 Jahren regelmäßig Gofio verzehrten. Diese waren körperlich leistungsfähiger, sie hatten aber eben auch ein geringeres Risiko für Herzerkrankungen.

Gofio Rezepte

Die Zubereitung von Gofio ist einfach, es ist ein Grundnahrungsmittel. Ebenso wie wir unser Weizenmehl in Hauptgerichten, Suppen, Beilagen aber auch Desserts, Nachtischen und Vorspeisen wiederfinden, ist das auch beim Gofio der Fall. Gofio als Einlage für eine herzhafte Brühe ist ebenso beliebt auf den Kanaren wie das besondere Mehl als Grundzutat für ein spezielles Mousse de Gofio oder anderen süßen Leckereien. Aus dem kanarischen Mehl lassen sich Pfannkuchen, Kuchen, Brot und viele andere Gerichte zubereiten.

Gofio ist bereits gegart, es kann also nur mit Wasser bereits zu einem nahrhaften Brei angerührt werden. Das einfachste Grundrezept für Gofio ist daher auch folgendes:

Grundrezept Gofio-Brei

Etwas Gofio, Milch (gerne auch Ziegenmilch, oder für Vegetarier Mandelmilch) und Süße nach Belieben anrühren. Süßer Gofiobrei schmeckt mit Honig ebenso wie mit Zimt und Zucker. Die Milch einfach erwärmen (sie muss wirklich nicht kochen) und den Gofio hineingeben. Wie bei Gries dauert es etwas, bis ein dickflüssiger Brei entstanden ist. Dieser Brei kann nun gesüßt werden. Nimmt man weniger Milch, dafür aber vielleicht etwas frisches Obst, kann man so auch einen nahrhaften Shake herstellen. Natürlich kann dieser Brei auch mit Wasser, Speck und diversen Gewürzen zu einem herzhaften Brei angerührt werden.

Es gibt zahlreiche Rezepte rund um die Verwendung von Gofio: Pasten, Brei, Suppen, Shakes, Soßen, Süßspeisen, Herzhaftes, Brot. Ebenso gibt es aber auch andere leckere Gerichte, die ebenso lecker sind, aber gänzlich ohne Gofio hergestellt werden. Auch hierfür finden sich tolle Rezepte in unserer Datenbank. Papas Arrugadas (Schrumpelkartoffeln) und Mojo dürften die wohl bekanntesten Speisen der Kanaren sein und sogar vielen Urlaubern bekannt. Auch Mojo gibt es inzwischen auch in Deutschland zu kaufen.

Gofio in Deutschland kaufen

Gofio Mehl können Sie inzwischen auch von Deutschland aus kaufen. Allerdings, wer Gofio Mehl, auf den Kanarischen Inseln, eine der ärmsten Regionen Europas. Im Supermarkt gekauft hat und dort die Preise kennt, wird ob der Preise im Versand sicherlich erstaunt sein. Allerdings ist Gofio inzwischen in Deutschland bekannt, aber eben nicht so sehr, dass sich der Import im großen Stil lohnen würde. Und so ist es teuer, dieses spezielle gesunde Mehl nach Deutschland zu bringen. Natürlich wäre es eine Alternative im Kanaren-Urlaub etwas von diesem tollen Mehl zu kaufen und mit nach Hause zu nehmen. Bei den Preisen, die Fluggesellschaften allerdings inzwischen für Übergepäck nehmen, ist dies ebenfalls ein teurer Spaß. Allerdings, für das wirklich aromatische und gesunde Mehl kann es sich lohnen, ein wenig Platz im Koffer zu opfern.

Gofio canario – Gofio von den Kanarischen Inseln.

Gofio canario (Gofio von den Kanarischen Inseln) ist eine in der Europäischen Union geschützte geografische Angabe (g.g.A.), engl. PGI. Gofio gilt übrigens als ältestes überliefertes Nahrungsmittel der Kanaren.

Tsampa

In Tibet gibt es geröstes Getreide, das ähnlich hergestellt wird, wie das kanarische Mehl, hier ist es als Tsampa bekannt.

Geröstetes Mehl – ñaco

In Teilen von Argentinien und Chile ist geröstetes Getreide als ñaco oder eben als harina tostada (geröstetes Mehl) bekannt.

Einwanderer von den Kanarischen Inseln brachten Gofio auch nach Puerto Rico, dort wird es heute meist als Süßspeise verzerrt.

 

Die Inseln der Kanaren

Die Kanarischen Inseln gehören politisch zu Spanien und damit auch zur Europäischen Union. Sie liegen im Atlantik vor Afrika und gehören auch geographisch zu diesem Kontinent. Spanien eroberte die Kanarischen Inseln erst im 15. Jahrhundert, Christoph Kolumbus nutzte den neuen Stützpunkt dann auf seinen Fahrten in die Neue Welt, um noch einmal Wasser und Essen zu laden. Später gelangten zahlreiche Einwohner der Kanaren auch nach Südamerika und Mittelamerika, sie nahmen ihre Gewohnheiten und Bräuche, auch beim Essen mit in die Neue Welt. Später sorgten Rückkehrer ebenso dafür, dass Neues auf die Kanarischen Inseln gelangte.

Gofio ein Überbleibsel der Guanchen

Gofio Mühle Gran Canaria bei Mogan.
Gofio Mühle Gran Canaria.

Übrigens: Während auf Lanzarote und Gran Canaria von Gofio gesprochen wird, bezeichnen die Einwohner von Teneriffa das geröstete Mehl ihrer Vorfahren ursprünglich als Ahoren. Gofio war aber der Name, den bereits die Guanchen dem gerösteten und dann in kleinen Steinmühlen gemahlenem Korn gegeben hatten. Bei den Guanchen war Gofio oft die eiserne Ration, sie stand bereit, um Belagerungen aber auch Missernten, Hungersnöten und eben auch einfach nur schlechte Zeiten zu überstehen. Die Guanchen verschwanden nach der Eroberung durch die Spanier, Gofio blieb.

Es gibt auf Gran Canaria, genauer in El Doctoral nahe von Vecindario auch das Museo del Gofio Pérez Gil. Untergebracht ist das Museum in einer alten Gofio-Mühle, die 1949 restauriert worden war. Mit dem Museum soll auf die historische Bedeutung von Gofio-Mühlen aber auch auf die des Gofios hingewiesen werden. Zu sehen sind Exponate der Familie Pérez Gil. Diese hatte die Mühle lange Zeit betrieben, ehe das alte Gebäude durch eine neue moderne Mühle ersetzt wurde. Die Mühle war eine der ersten Motorbetriebenen Mühlen auf Gran Canaria.  Betrieben wurde sie mit einer alten englischen Dieselmaschine, die ebenso bestaunt werden kann. Ganz einzigartig ist das Gofio Museum in El Doctoral nicht. In der Gemeinde gibt es bereits das Museo de la Zafra (dem Tomatenanbau gewidmet) und das Centro de Interpretación de las Salinas de Tenefé (Interpretationszentrum der Salinen Tenefé).

Molina Quemado Mogán

Eine sehenswerte Mühle, ist die Mühle Molino Quemado (niedergebrannte Mühle) aus dem 19. Jahrhundert, die die gesamte Region mit Gofio und Mehl versorgte. Mit sieben Metern Höhe ist sie die größte Mühle von Gran Canaria. Sie kann besichtigt werden und steht in einem kleinen Kaktusgarten. Bekannt ist sie auch als Molino de Viento, was nichts anders bedeutet als Windmühle.

Gofio in der Aeneis?

Der römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.)  lässt in seinem ersten Buch der Aeneis seinen Helden Aeneias (Aeneas) an der Küste Nordafrikas seinen Männern befehlen, Getreide zu rösten und es zwischen Steinen zu zermahlen. Nicht anders wurde zu Zeiten der Altkanarier und vor dem Einsatz von Mühlen auch das kanarische Mehl, Gofio, hergestellt.

Aeneas war mit seinen Männern aus dem brennenden Troja geflohen, seine Irrfahrten führten bis nach latium (Mittelitalien), dort wurde er zum Stammvater Roms.